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Geschichte der Familie Erley

Bearbeitet und vorgetragen anlässlich der Gründung des Familienverbandes am 11. Mai 1957
von Wilhelm Erley, Gahlen Chronist des Familienverbandes

In der Gemeinde Stiepel a. d. Ruhr, die kommunalpolitisch heute zur Großstadt Bochum gehört, liegt der Erley's Hof. Von diesem Hof sind im Laufe der Jahrhunderte wahrscheinlich alle uns bekannten Linien Erley ausgegangen. Leider ist die Hofeslinie Erley ausgestorben und ist der Hof seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Besitz des Bauern Haarmann genannt Erley. Auch heute noch wird die Familie Haarmann in Stiepel fast nur Erley genannt und der Erley's Hof ist als Erlenhof in die Geschichte eingegangen.

Bei der Gemeinde Stiepel handelt es sich um eine geschichtlich schon frühzeitig erwähnte Gemeinde. Urkundlich wird sie erstmalig im Jahre 1005 genannt. In diesem Jahre machte der damalige Kaiser Heinrich II. dem Kloster Deutz eine Schenkung, bei der Gelegenheit ein Hofesmann Leytermann zu Stiepel erwähnt wird. Die alte Stiepeler Kirche ist eine Schenkung aus dem Jahre 1008 der damaligen Gräfin Imma von Stiepel, deren Name in einer Straßenbezeichnung an der Stiepeler Kirche erhalten ist. Verwaltungsmäßig unterstand der Gau oder die Markgenossenschaft Stiepel den Gerichtsherren von Stiepel, die auf dem heute noch gut erhaltenen Schloss Kemnade in Stiepel ihren Wohnsitz hatten. Im Laufe der Zeit waren es die Herren von Stiepel, von Syberg, von Kemnade, von Dücker und von Hasenkamp, die als Gerichtsherren in Stiepel eine örtlich bedeutungsvolle Rolle spielten. Auf die interessante Geschichte des Schlosses Kemnade jetzt einzugehen, muss ich mir ersparen, da dies zu weit führen würde.

Das älteste Datum, das uns von dem Erley-Hof überliefert ist, dürfte aus dem Jahre 1150 sein. In diesem Jahre nämlich wird in einer alten Urkunde ein Hof „Erloggen“ erwähnt, von dem der bekannte Archivforscher Lacomble sagt, dass es sich um den Erley-Hof in Stiepel handele. Demnach haben wir es bei unserer Familie mit einem sehr alten Geschlecht zu tun, das auf eine über tausendjährige Tradition zurückblicken kann. Woher allerdings der Name Erley oder Erdelei stammt, lässt sich schwer sagen. Wahrscheinlich haben wir es mit einer Hofesbezeichnung zu tun, die später als Familienname übernommen wurde. In einer Erklärung für den Namen Erley heißt es: Der Hauptname für diesen Nordostteil der Egge ist auf dem Schrick (1474 auf dem Schrick d. h. aufspringender Berg - schricken - springen) Schrick ist die Bauernschaft von Stiepel, in der der Erley-Hof liegt.

Auf dem Schrick liegt der Erley oder Erdelei Hof. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um einen Flurnamen für mit Erlengebüsch bestandenes, ansteigendes Gelände in der Heide. Die Endung ey bedeutet nicht Aue, sondern ist ein sächlicher Gesamtname für Pflanzenbestand wie z. B. Widey = Weidicht. Die Endung ey finden wir in Stiepel auch in dem Hof und Familiennamen Overney und Eckey vertreten.

Nach dem Jahre 1150 finden wir dann den Namen Erley wieder in den Jahren 1474 und 1487 in einer Urkunde über die Kemnader Mühlen erwähnt. Es heißt hier u. a., dass der Bauer Johann Erley später mahlbaumpflichtig nach Herbede sei. Im Jahre 1508 hören wir von einem Wilhelm Erley als preister vicarius in einer Urkunde wie folgt: „Hier sind over und anne gewest Tügeslüde met namens her Wilhelm Erley, preister vicarius und Rötger Wympenbergh, küster to Stiepel."

Im Jahre 1556 unterzeichnet ein Bauer Heinrich Erley eine Bitt­schrift gegen Hasenkamps Eingriffe an die Gerichtsherren.

Die Reformation ist im Jahre 1596 in Stiepel eingeführt und hat in der Gemeinde zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt, über die ich allerdings an dieser Stelle nicht berichten kann. In einer Urkunde über die Einführung der Reformation heißt es: „Seit dem Jahr 1594 besorgen der Pastor und Heinrich Erley, Kerkmeister die Einnahme. Derselbe Heinrich Erley findet im gleichen Jahre in einer Urkunde über Stollmanns Kotten Erwähnung, ebenfalls in 1602 in einer Urkunde über Haferlieferung von einem Grundstück an den Pfarrfonds. Wer einmal Gelegenheit hatte, den alten Stiepeler Friedhof zu besuchen, wird gleich am Anfang des Friedhofes noch einige alte Grabsteine der Familie Erdlei = Erley finden. Auf einem Grabstein heißt es: „Anno 1634, den 24.12. ist Hinrich, Erdlei, der Alte, im Herrn entschlafen.“

Bis zum Jahre 1684 habe ich bis jetzt weitere urkundliche Aufzeichnungen über die Familie Erley noch nicht finden können, hoffe aber, dass dies im Laufe der Zeit noch möglich sein wird. Die Kirchenbücher sind in Stiepel erst ab 1724 geführt. Aus diesem Kirchenbuch ist zu entnehmen, dass der Bauer Hinrich Erley, vermählt mit Elsa Merings aus Stiepel, im Jahre 1684 geboren und im Jahre 1740 gestorben ist. Diese Eheleute hatten 9 Kinder.

  • Johann Arnold geb. 1713 konf. 1727
  • Johann Dietrich geb. 1715 konf. 1730
  • Anna Katharina geb. 1712
  • Maria-Elisabeth geb. 1720 konf. 1736 spätere Frau Schulze zur Oven in Stiepel.
  • Johann Heinrich geb. 1723 konf. 1738
  • Jörgen Rötger geb. 6.1.1730 (ist 1746 gegangen wie es im Kirchenbuch heißt) hat aber später den Erley-Hof in Stiepel übernommen.
  • Sybille Klara Elisabeth geb. 1734 konf. 1750 spätere Frau Nettelenbeck in Stiepel.
  • Margarete Elisabeth geb. 1737 konf. 1752
  • Maria Catharina geb. 1741 konf. 1756 spätere Frau Schulten zu Hofstiepel

Hier möchte ich noch eine Bemerkung aus den Stiepeler Kirchenakten einflechten. Unter dem 26. 5. 1724 heißt in einer Urkunde über die Stiepeler Pfarrwahl: „Nach dem Tode des Pastors entstand über die Besetzung der Stelle mit dem Patron ein Streit, da die Gemeinde einen Erley als Pastor haben wollte, den der Pastor (Gerichtsherr auf Schloss Kemnade) nicht in die Dreiwahl aufnehmen wollte. Pastor Erley ist auch nicht gewählt worden.

Nach dem Tode des Hinrici Erley hat zunächst der älteste Sohn Johann Arnold die Bewirtschaftung des Erley-Hofes übernommen. Dieser war mit Catharina von Roven verheiratet und hatte 3 Kinder. Johann Arnold Erley starb bereits am 4. Februar 1749 in Stiepel. Seine Witwe verzog schon bald mit ihren Kindern nach Herbede an der Ruhr und heiratete dort einen Rechtskundigen namens Dickershoff, Sohn des berühmten Chirurgen Dickershoff in Herbede. Die Frau Dickershoff hat ihren Mann nicht überlebt und ist früh verstorben. Ihre 3 Kinder kamen um 1770 nach Velbert und wurden dort Stammväter aller von Velbert ausgegangener Linien Erley. Die Erley wurden Besitzer des Hofes zur Mühlen. Während die Linie des Dietrich Moritz Erley, der in erster Ehe mit Anna Elisabeth Isermann (1769 - 1781) und in zweiter Ehe mit Agnes Weidtmann verheiratet war, ist die Linie seines Bruders Johann Georg Heinrich Erley geb. 1744 gest. 1812 in Velbert, verheiratet mit Anna Margaretha von Roven, in männlicher Linie erloschen. In den Velbert Familien Niederdrenk, Bringmann, Schmidt, Schumacher und Steinjahn hat sich durch Einheirat der weiblichen Nachkommen das Erley'sche Blut weiter vererbt.

Die Nachkommen des Dietrich Moritz Erley sind aus den Stammbaumtafeln zu ersehen und ist es im Augenblick wohl nicht erforderlich, dass ich hierauf eingehe.

Die Schwester Maria Sybille Erley hat in Velbert zweimal geheiratet und zwar am 16.03.1780 einen Johannes Peter Busch und am 28.12.1797 einen Arnold Kötting. Ob aus dieser Ehe in Velbert noch Nachkommen existieren ist mir nicht bekannt. Über das Gut zur Mühlen sei noch erwähnt, dass bis zum Jahre 1701 die Familie zur Mühlen in der Honschaft Craywinkel, dann von Bottlenberg und später ein Meyer es besessen hat. Um 1780 hat es dann Erley übernommen. Ein Güterverzeichnis aus 1816 über den Hof zur Mühlen sowie eine Photokopie über die Akte vom Gut Rottenberg besitze ich. In vorerwähnten Ausführungen bin ich vornehmlich auf die Linien Erley eingegangen, die die –Familie Erley betreffen, die von Velbert/Stiepel ausgehen. Bekanntlich existieren aber noch manche Linien Erley. So z. B. in Hamm, Düsseldorf, Sprockhövel, Cleve, Hamburg usw. Es bedarf noch mancher langwierigen Arbeit, um über alle Linien erschöpfende Klarheit zu erhalten. Ich glaube aber, dass wir jetzt, nachdem der Familienverband Erley ins Leben gerufen ist, manche Arbeiten leichter vollenden können und ich möchte die Familienmitglieder bitten, überlieferte Nachrichten über die Familie Erley aufzuschreiben und dem Vorstand des Familienverbandes zuzustellen.

Lassen Sie mich nun noch einige Einzelheiten aus der Sippengeschichte bringen.

Um das Jahr 1700 war die Gruppe in Stiepel der unzufriedenen Bauern und Kötter recht beträchtlich. Die Bauern und Köttersleute in Stiepel lehnten sich gegen die zu harte und angeblich ungerechte Steuer, auch Anschlag und Kontribution genannt, auf. Hauptanführer dieser Rebellen, wie der Freiherr von Syberg sie nannte, waren Erley, Haarmann und Knösel. Diese drei Anführer verlangten u. a. Einblick in die Akten über die Verwendung der Steuern, da weit mehr gefordert als an die Renteikasse abgegeben wurde. Entrüstet brauste der Freiherr von Syberg auf mit dem Bemerken: „Ich bin doch hier Herrund Obrigkeit und was die Rebellen verlangen ist unverschämt“. Fortan wurden neutrale Beobachter über die Verwendung der Steuern zugelassen. Weitere Nachrichten über Erley sind mir aus Lüttinghausen bekannt.

Im Jahre 1778 am 30.08. ist dort ein Moritz Christian Erley lutherisch getauft als Sohn des Georg Heinrich Erley, der wieder ein Sohn des ebenfalls in Stiepel geborenen Johann Arnold Erley war. Anfangs erwähnter Moritz Christian Erley wurde Pfarrer und hat als solcher in Ründeroth und Rönsahl gewirkt. Über seine Tätigkeit heißt es: „Moritz Christian Erley ein deutscher Biedermann, guter Kanzelredner und ausgezeichneter Philologe und Informator, der sich neben dem Pfarramt vielfach im Unterrichtgeben im Englischen, Griechischen, Lateinischen, Französischen, in der Geschichte usw. beschäftigte und mehrere Zöglinge recht gründlich zu den Gymnasial- und Universitätskliniken vorgebildet hat. Er wurde im Jahre 1821 nach Ründeroth berufen. Prediger Erley war mit Luise Sasse aus Soest vermählt. Ein Sohn aus dieser Ehe war der Arzt Friedrich Erley, der lange Jahre in Berleburg in Westfalen als Arzt und Gelehrter gelebt hat. In seinem Nachlass befand sich ein Petschaft mit dem Wappen „Erley“, dass jetzt im Besitz von Frau Gewerbeoberlehrerin Else Erley in Essen ist. Die Berleburger Linie Erley ist in männlicher Linie erloschen. Manche Einzelheiten aus diesem Familienzweig hat Frau Baurat Mayer, die Mutter des früheren Oberpräsidenten von Westfalen, Meyer, uns überliefert. Diese könnten später einmal gebracht werden.

Gemälde von dem Ehepaar Pfarrer Erley sind im Besitz von Herrn Burgmann in Lennep und ich habe hiervon eine Photokopie angefertigt. Weiterhin möchte ich noch auf einige Abhandlungen in der Velberter Zeitung hinweisen. So z. B. auf einen Artikel über die Velberter Leichengesellschaft von September 1934, der von einem Erley unterzeichnet ist, sowie auf einen Artikel vom 28.07.1935 "Wir plaudern über Velberts Erbhöfe“ Der Erbhof „Zur Mühlen“, Besitzer Julius Hegemann. In einem Artikel der Velberter Zeitung vom 27.07.1937 wird über einen Prozess gegenüber der sog. Toten Hand aus dem Ende des 18. Jahrhunderts berichtet, in den sich Moritz Erley einschaltet.

Die in Koblenz ansässigen Erley und in Waart entstammen der Linie Johann Georg Heinrich Erley (VI.) und Marg. von Roven, Stiepel, Sohn Johann Peter verh. mit Juddick, Sohn Heinrich Wilhelm, Sohn August geb. etwa' 1848. Dieser August Erley ist als zehnjähriger Junge zu meinem Großvater Wilhelm Erley gekommen und etwa 10 Jahre in Pflege gewesen. 1868 trat er in Wesel bei der Artillerie ein. Hat den Krieg 1870/71 mitgemacht und bei der Belagerung von Paris im Feld gestanden. Als Feldwebel ist er abgegangen und wurde später Zollbeamter in Koblenz. Die Reihe der Einzelheiten unserer Familiengeschichte könnte noch bedeutend erweitert werden. Es würde aber hier zu weit führen. Wenn ich durch meine kurzen Ausführungen dazu beigetragen habe Familiengeist und Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, so soll mir dies eine besondere Genugtuung sein und lassen Sie mich abschließen mit den Zeilen:

Zeiten entschwinden wie Träume
und Menschengeschlechter vergehen
wie aus dem Urstrom das Leben
Welle auf Welle entsendet.
Fest auf die Scholle vertrauend,
pflüget und sät der Bauer,
schaffet der Arbeiter emsig,
grübelt der greise Gelehrte,
weben und wirken am Webstuhl der Zeit.
Späte Gelehrte erforschten das Dunkel
vergangener Tage. Alte vergilbte Papiere
verkünden dem suchenden Sohne, was
Väter und Mütter einst wirkten,
ihr Leben, ihr Schaffen und Träumen,
so sich die Hände reichend und Welle
auf Welle verbindend.
Heimatland, heilige Erde, treibe
sie die Liebe zu dir.

 

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